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Dynamische Stromtarife im Selbstversuch: Warum ich nachts im Keller fluchte und trotzdem kaum sparte

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Dynamische Stromtarife im Selbstversuch: Warum ich nachts im Keller fluchte und trotzdem kaum sparte

Sonntagmittag gegen zwei Uhr saß ich auf einer hölzernen Getränkekiste in unserem feuchten Frankfurter Altbaukeller, das Gesicht nur wenige Zentimeter von einem betagten Zählerschrank entfernt. Mein Smartphone lag auf den Knien, die Tibber-App zeigte stur ein rotes Ausrufezeichen und meldete gebetsmühlenartig “Pulse offline”. Genau in diesem Moment schien im Norden der Republik die Sonne so gewaltig auf die Fotovoltaikanlagen, dass der Strompreis an der Börse EPEX Spot ins Negative gerutscht war. Die Betreiber zahlten theoretisch Geld dafür, dass man Strom abnahm. Ich wollte die Waschmaschine aus der Ferne starten, aber der kleine weiße Sender, den ich tags zuvor mit billigem Doppelklebeband an die optische Schnittstelle des Stromzählers gepappt hatte, verlor zum wiederholten Male das Signal zur Fritzbox im zweiten Stock.

Ich hatte schlichtweg vergessen zu prüfen, wie weit mein WLAN überhaupt durch zwei dicke Betondecken strahlt, bevor ich mir das Ganze im Internet bestellte. Vollkommen bescheuert. Da saß ich nun im Jogginganzug auf dem Kellerboden, fluchte leise vor mich hin, wischte das Display ab und fragte mich zum ersten Mal ernsthaft, was ich da eigentlich veranstaltete. Drei Monate zuvor klang das alles spektakulär einfach. Du wechselst zu einem dynamischen Tarif, richtest deine Wäsche nach dem Wetterbericht aus und schlägst den trägen Grundversorgern ein Schnippchen.

Wenn die Technik im Altbaukeller streikt

Der Zählerwechsel zieht sich ohnehin oft hin. Der regionale Messstellenbetreiber brauchte bei mir fast vier Monate für einen Termin, um mir den digitalen Zähler einzubauen. Als der Techniker wieder weg war, fing mein persönliches Bastelprojekt erst an. Die Tibber Pulse Dose sollte die Zählerstände im Minutentakt per Funk hochschicken. Nur hält Klebeband auf dreckigem kühlen Plastik im Keller halt nicht besonders gut, und das Signal brach ständig ab.

Wenn der Zähler keine Daten liefert, rechnet der Anbieter am Ende des Tages doch wieder einen geschätzten Durchschnittswert ab. Damit ist der ganze Vorteil auf einen Schlag wieder weg. Als ich dem Kundensupport das Problem schilderte, schlug mir der Mitarbeiter allen Ernstes vor, ich solle doch ein Loch durch meine Zimmerdecke bohren oder mir einen dicken WLAN-Repeater in den Flur hängen. Ich habe stattdessen einfach eine Powerline-Steckdose im Keller installiert, die ich noch im Schrank rumfliegen hatte, was zwar funktionierte, mich aber wieder dreißig Euro und unzählige Nerven kostete.

Die Illusion mit der billigen Sonntags-Wäsche

Man redet sich diese stündlichen Tarife schnell schön. Schauen wir uns das bei einer ganz normalen Waschmaschine an, die im Eco-Programm für eine Ladung Buntwäsche ungefähr 0,9 Kilowattstunden zieht. Wenn der Börsenpreis sonntags um dreizehn Uhr extrem im Keller ist und abends steil ansteigt, liegt der Preisunterschied im besten Fall bei vielleicht fünfzehn Cent pro Kilowattstunde. Wenn du das penibel abpasst und den Startknopf exakt im richtigen Moment drückst, sparst du pro Waschgang am Ende um die dreizehn Cent. Selbst wenn du im Haushalt drei Maschinen pro Woche wäschst, summiert sich das aufs ganze Jahr gerechnet auf nicht einmal zwanzig Euro. Dafür wirfst du gefühlt zwanzigmal am Tag dein Handy an, schielst nervös auf stündliche Preiskurven und schiebst deine Hausarbeit frustriert hin und her, obwohl du eigentlich entspannt auf der Couch liegen könntest.

Das eigentliche Problem trifft dich nämlich abends. Gegen halb sieben komme ich nach Hause, der Magen knurrt. Das Induktionskochfeld läuft auf Stufe acht, die Beleuchtung brennt in Flur und Küche, der Backofen heizt parallel für das Blechgemüse auf zweihundert Grad vor. Genau zwischen siebzehn und zwanzig Uhr schießen die Börsenpreise verlässlicher nach oben als die Spritpreise an den Tankstellen vor einem langen Pfingstwochenende. Ganz Deutschland kocht, wäscht und sitzt vor dem Fernseher. Wer in dieser Zeitspanne drei oder vier Kilowattstunden aus dem Netz zieht, vernichtet die mühevoll am Samstagnachmittag beim Wäschewaschen zusammengesparten Groschen innerhalb von einer halben Stunde vollständig. Das geht unheimlich schnell.

Ohne große steuerbare Geräte wirst du in so einem Szenario schnell zum getriebenen Knecht deines Zählers. Ich habe Tabellen geführt, die Preise verglichen und mich am Ende eigentlich nur noch über mich selbst geärgert.

Wann sich der stündliche Börsenpreis wirklich lohnt

Richtig profitabel wird die ganze Sache erst, wenn du nicht über Peanuts sprichst, sondern über gewaltige Strommengen. Wer ein Elektroauto mit einem sechzig Kilowattstunden großen Akku in der Einfahrt stehen hat, sieht die Welt völlig anders. Wenn der Wagen nachts um drei geladen wird, weil der Wind an der Küste steif weht und die Börsenpreise im Keller liegen, macht ein Unterschied von zehn Cent pro Kilowattstunde auf einen Schlag sechs Euro pro Ladung aus. Das merkst du sofort auf dem Konto. Bei einer Wärmepumpe, die im kalten Winter nachts den großen Pufferspeicher aufheizt, reden wir ebenfalls über Beträge, die sich übers Jahr auf mehrere hundert Euro aufsummieren.

Dafür darfst du das Ganze aber auf keinen Fall händisch steuern. Kein Mensch stellt sich mitten in der Nacht den Wecker, um im Schlafanzug die Wallbox einzustecken. Das muss ein zentrales Steuerungssystem ganz von alleine im Hintergrund erledigen, während man friedlich schläft. Sobald man selbst ständig auf Knöpfe drücken muss, scheitert das Konzept schlicht am Alltagstrott.

In meiner Mietwohnung ohne E-Auto und ohne Speicher lag mein Jahresverbrauch bei gut 2.800 Kilowattstunden. Nach sechs Monaten Akribie und dauerndem Blick auf die App meldete mir die Abrechnung eine Gesamtersparnis von exakt 18 Euro und 40 Cent.

Zieht man davon die Monatsgebühr für das Messsystem und die Hardware ab, bleibt unter dem Strich ein klares Minus. Ob mein Zähler unten im Keller morgen früh wieder das Netz verliert, weiß ich bis heute nicht. Wie soll das erst werden, wenn im nächsten Winter eine Woche lang Flaute herrscht und die Strompreise an der Börse tagelang nach oben schießen?

Ich habe die App schlussendlich vom Handy geworfen und koche jetzt einfach wieder, wenn ich Hunger habe.

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Hey, ich bin Udo Schluhmeier! Ich bin der Kopf hinter dem newsbaron.de-Imperium. Während andere noch ihren ersten Kaffee kochen, habe ich schon die Trends von übermorgen auf dem Schirm. Als digitales Urgestein und sächsischer Macher serviere ich dir den perfekten Mix aus Tech-Hype, Lifestyle-Checks und Business-Insights. Meine Mission? Schluss mit dem Info-Müll! Bei mir gibt’s nur das, was wirklich Relevanz hat – direkt, ehrlich und immer mit einer ordentlichen Portion Biss. Kurz gesagt: Wenn’s knallt, wichtig ist oder dein Leben smarter macht, habe ich es schon längst für dich aufgeschrieben.

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